Tag 15 (heimwärts)

Vor meinem Hotelzimmer bauten sie ab halb acht den Markt auf. Und was für ein Markt!

geruchsintensiv

Neben Gewürzen, Obst, Gemüse, Oliven, Käse, Würsten und Fischen und Meeresfrüchten, gab es auch Riesen-Nougat-Blöcke, mehrere Hühnchen-Röstereien, Riesenpaella-Pfannen, Kleider, Schmuck, sogar Matratzen gabs zu kaufen. Kurz: Alles.

Am meisten Lärm machte ein Schreihals, der an seinem Stand Parfümfläschchen verteilte: Gratis. Nicht gestohlen, das sei Werbung. Letztes Mal hätten sie ihm die Polizei auf den Hals geschickt, weil er das Geschäft kaputt mache. Nehmen sie, gratis, nicht gestohlen…!!

Ich schlich mich vorbei, denn von den meisten Parfums wird mir schwindlig und kaufte stattdessen nicht zu schwere Mitbringsel. Zurück im Hotel packte ich alles in meine Radtaschen, checkte aus und rollte ziellos durch Arles. War schwierig, denn da Samstag war, waren noch mehr Leute unterwegs, als am Vortag.

Noch ein letzter Kaffee und ein Schwätzchen mit den Tischnachbarn
Letzte Impressionen
Letzte Fotografien von Fotografien
Noch was essen, auch ohne Hunger. Denn die Zugfahrt würde lang werden.

Ich sass da etwas in Arles rum und konnte mein Glück kaum fassen. Vor mir die Arènes, die Beine schwer, der Kopf voller Eindrücke. Was bin ich nur für ein Glückspilz, dass ich das erleben kann. Dass ich zwei Jahre nach meiner letzten Chemo wieder so eine Reise machen kann! Ist das zu fassen?

So viele schöne Orte sehen!

Der Geruch und das Zirpen, wenn man durch die Pinienwälder fährt.

Das Rauschen des Meeres, dass mich in den Schlaf lullte.

Den Sonnenaufgang an Deck mit einem Kaffee in der Hand.

Der Blick vom Tour von 550 Höhenmetern, zu beiden Seiten das Meer und wissen, aus eigener Kraft da hochgekommen zu sein.

Die vielen kleinen Zwischendurchgespräche, Blitzlichter in andere Leben. Auf Deutsch, Schweizerdeutsch, Englisch, Französisch und Italienisch.

Die Stierherde überlebt zu haben. 😬

Ist das Leben nicht schön?!

Aber ich freute mich auch auf mein Bett, zuhause.

Auf die Entsandung und die Waschmaschine. Auf Freunde und Fe und Phi.

Ich reiste mit dem TER zurück. Auf TGVs gibt teilweise gar keine Radplätze und die wenigen, die existieren, sind schon lange ausgebucht. Die TER nehmen Räder ohne Gebühr mit. Wir standen in Arles etwa zu zehnt mit unseren Rädern bereit und ich kriegte nicht nur wegen der Sonne leichte Schweissausbrüche. Was, wenn der Zug schon voll ist?

Aber im Zug war ein offizieller Radstapler. Da ich bis Valence fuhr, wurde mein Rad an eine Haken gehängt. Die beiden Räder nach Oranges nur an die Wand gelehnt.

Erster Zug ✅ 😅

Irgendwie dämmerte mir unterwegs etwas und ich kontrolliere, ob es in Valence nicht mehrere Bahnhöfe gibt. Tatsächlich! Wieder mal ein Bahnhofswechsel. Und obwohl bei jeder Station noch mehr Räder reingestapelt wurden und der Zug sich zunehmend verspätete, blieb ich tiefenentspannt. Mit 1,5 h Wartezeit könnte ich die 10km zwischen den Bahnhöfen locker auch per Rad zurück legen, selbst wenn sie zu einer Stunde schrumpfen würde.

Doch ich wählte den TER, es war nämlich unglaublich heiss. Und weitere 5,5 h verschwitzt im Zug – lieber nicht.

Valence, kurzer Stadtflitzer vor dem Bahnhofswechsel

Ich half einer Radreisenden aus Bern mit meinem Schloss aus und wir fachsimpelten über Ausrüstung und erzählten uns unsere Reisen de facto bis sie in Neuchâtel umsteigen musste.

Ich liess sie sogar unter meinen Schlafsack. Warum in aller Welt muss ein Zug auf 18° runtergekühlt werden im Hochsommer????!

Bis Genf gings noch einigermassen. Dann wurde das Sitzen schmerzhaft. Wenn man so die ganze Zeit unterwegs ist, hält man das kaum aus. Ich halte ja schon sonst langes Sitzen kaum aus. Aber nun wurde es zur Qual.

Aber irgendwann war ich in meiner Hometown.

Sooooooo sauber!

Ich versuchte mit meinem Rad möglichst leise am Open-Air-Kino im Quartier vorbeizuquietschen (Mein Rad hatte irgendwo um Marseille seine musikalische Seite entdeckt und quietschte fortan.)

Dann drehte ich zur Begrüssung eine Runde durch die Nachbarschaft, bevor ich mich aufs Sofa legte und nicht mehr aufstand.

Das war vor zwei Stunden.

Und nun gute Nacht! ✨

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Tag 14 (Touristin)

Ich schaffte es tatsächlich, alles wieder einzupacken, bevor es am Morgen erneut zu Regnen begann.

Nieselregen-Start

Die Nacht war übel: Riesencamping mit Animation und rumkreischenden Teenies. Bis nach Mitternacht. Ich vermisste Korsika. Zuviele Leute auf dem Festland. Bis auf früh am Morgen, dann hat man noch seine Ruhe.

Alles schläft noch
Auch daran erinnere ich mich

Mitten in Saintes Maries ein Riesengeschrei. Ein korpulenter Herr ergeht sich in wüsten Beschimpfungen, bis zu vous ne méritez pas vivre! Allerdings immer schön in der Höflichkeitsform. Ein älteres Paar kommt mir entgegen: C’est à cause de vous?

Wegen mir? Aber nein. Ich bin nur die Touristin auf Durchreise. Immer unschuldig. 😇

Eine kurze Online-Umfrage ergab, ich solle rechts und nicht nach Montpellier

Es tröpfelte immer wieder. Dann war es wieder trocken. Temperatur kühl bis angenehm.

Bye Camargue
Pausen-Stopp
Viel Himmel
Ich spulte die Kilometer einfach runter. Gut zum Kopf frei kriegen.

Und langsam war ich auch etwas müde. Muss ich also zugeben. So dauernd unterwegs zu sein, ist nicht ohne. Vor allem die Strecke zwischen Marseille und Meer war alleine der Endferienpanik geschuldet. Sonst hätte ich nach einer Nacht auf der Fähre nicht 85 km abgespult.

Arles noch mit Wolken

Als Abschluss leistete ich mir ein Hotel. Die Stadt-Campingplätze sind meist, so naja.. Und es war die letzte Nacht!

Mein Handy brauchte auch Saft und ich investierte etwa eineinhalb Stunden, bis ich eine Zugverbindung hatte. Die SNCF-App gibt einem leider keine Alternativwege an. Und da die meisten Fahrradplätze auf den TGVs ausgebucht sind und ettliche TERs (bei denen es keine Reservierung fürs Rad braucht) gestrichen wurden (Streik), war das nicht einfach.

Ich duschte im Hotel ausgiebig und in Ruhe und machte mich für einmal ohne Bepolsterung in der Hose auf Entdeckungstour. 😉

Später kam Sonne und Hitze
Sehr schmuck
Schöne Ecken
Viele Cafés

Da aber gleichzeitig ein Fotofestival stattfand, kam ich in den Genuss einer Ausstellung und stellte bei der zweiten fest, dass ich einen Festival-Pass brauchen würde. Ich wunderte mich schon über das grosszügige kulturelle Angebot. 😬

Aber es gab auch so genug zu sehen.

Der Blinde und der Lahme

Dazu Strassenmusik, Tanz. Alles!

Nur ein Geschenk für mein Patenkind habe ich vergeblich gesucht. Nichts als Kitsch!

Also im Vergleich zu Radfahren ist Touristin spielen ist echt anstrengend!

Ich liess mich fein bewirten.

Genoss die letzten Sonnenstrahlen und schlenderte ins Hotel zurück.

Bonne Nuit

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Tag 13 (Flamingos und Erinnerungen)

Geschlafen nur in der Matte. Zu k.o. zum Zeltaufbau

Der Zeltplatz war doppelt so teuer, wie die bisherigen. Sie könnten es sich leisten, sie seien der einzige Platz weit und breit. Immerhin ehrlich. 🤷‍♀️

Ich wollte nach Saintes Maries de la Mer. Als Kind waren wie mal dort in den Ferien und mir gefiel die Weite, das Licht, der Wind. Die weissen Pferde, obwohl sie mir einen lahmen Gaul zum Ausreiten gaben. Ich war nie ein Pferdemädchen. Mehr ein Wind-im-Haar-Wirbelwind. Lahmer Gaul war nicht so cool. Ich wäre am liebsten in die Weite gelaufen auf Entdeckungsreise und nun dachte ich mir, mit dem Rad kann ich das ja nachholen.

Hallo Pferde hinter dem Zaun 👋🏻👋🏻
Und da waren sie, die Wege

Da es nun flacher war, waren sehr viele mit dem Rad unterwegs. Simon&Simon waren auch gemütlich den Rhône-Weg runterpedalt. Ausserdem gab es Ornitologen, Familien, Tagesausflügler. Und eine Handvoll Radreisende.

So ist es easy
Salins
Alles auf markierten Radwegen, die durch das Naturschutzgebiet führen. 😍😍
La Phare de la Gacholle
Pause und etwas Quatschen mit einem Pärchen aus dem Allgäu und zuschauen, wie sie ihn beim Kartenspielen abzockte.
Museum im Leuchtturm
Salz
❤️
Bad-Pause
Nur für mich. Hier könnte man auch schlafen, dachte ich.
Das Wasser war übelst kalt 🥶 Im Vergleich zu pinkelwarm in Korsika.
Alles völlig unspektakulär (so abenteuermässig)
Ein paar Flamingos (ohne Zaun) 👋🏻👋🏻
Saintes Maries de la Mer
Was feines gegessen
Zu heiss! Zu viele Menschen!
Meine Freunde 🤗

Schon lustig, woran man sich erinnern kann, wenn man wieder am Ort ist. Die Gässchen, die Kirche…

Dieser unsägliche Kreisel! Da wollte ich immer, das Papa anhält, damit ich raufklettern kann.

Und an unserem alten Hotel fuhr ich auch noch kurz vorbei. Sieht nach 30 Jahren immer noch gleich aus – im Gegensatz zu mir. 🤓

Dann liess ich mich noch von ein paar Zigeunerinnen abzocken, mach ich so alle 16 Jahre. Das letzte Mal in Odessa, bei der legendären Treppe aus Eisensteins Film. 🙃

Plötzlich zogen Wolken auf, nix mit am Strand schlafen. Ich suchte einen Campingplatz. Dort baute ich mein Zelt in Rekordzeit auf. Die Frau auf dem Nachbarplatz repetierte in Endlosschlaufe zu ihren Sohn: Il va pas pleuvoir, on a vu la méteo. Ils ont dit, qu’il va pas pleuvoir. Sie stoppte auch nicht, als die ersten Tropfen fielen. Sehr fernsehgläubig. 😳

Zurück bei der Reception wurde ich zurechtgewiesen, dass ich nicht zuerst die Zeltplatznummer gemeldet hätte. Zehn Minuten brauchte ich für den Zeltaufbau, meine Güte… Sie hätten den Platz inzwischen vergeben. Tja Pech. Mein Zelt stand und ich weigerte mich, umzuziehen und machte das auch klar.

Ich fragte den Herrn, ob er raus geschaut habe. Es tröpfle bereits und ich sei mit dem Rad unterwegs. Da sei es schon noch wichtig, das Zelt möglichst schnell aufzustellen. Er zuckte mit den Schultern und gab nach.

Dann sass ich im Zelt und hörte dem Gewitter zu.

Das war knapp! 😅

Als es wieder aufklarte, setzte ich mich mit einer Chipstüte an den Strand, bis ich fror. Ich wusste, das würde der letzte Abend am Meer. Langsam muss ich zurück.

Sand feucht
Bettelmöwe
Gute Nacht

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Tag 12 (nicht-muttertaugliche Fortsetzung)

Ich wollte zum Meer. Ich meine, wer badet schon in einem Etang, wenn das Meer nicht weit ist? Unglücklicherweise war der nächste Campingplatz nicht ganz nah.

Macht nichts, ist eh alles platt, nicht?

platt und staubig

Und so gings weiter. Links Meer mit Containerschiffen, rechts Industrie. Etwas Postapokalypse-Feeling kam auf, als um den einen Industriekomplex so eine rote Staubwolke schwebte. Und als eine schwarze Limousine gefolgt von zwei Wagen mit Sirenen und Blaulicht mir entgegen rasten.

Und da ich den ganzen Tag schon an vier Radiologien und drei medizinischen Laboratorien vorbei gefahren war, verquickte sich das in meinem Hirn zusammen mit der Serie Chernobyl, die ich während meiner Bestrahlung schaute (Ist nicht zu empfehlen)!

Irgendwann war ich auf einen Parkplatz, passierte Fabriken. Und dann fuhr plötzlich eine orange-bewestete Frau neben mir her und fragte, was ich hier mache. Das sei Privatgrund. Industrie. Ich stammelte etwas von 💩Navi und versuchte noch kaputter auszusehen, als ich eh schon war.

Sie hatte erbarmen. Ich dürfe mich einfach von den anderen Wachleuten nicht erwischen lassen. Dann könne sie für nichts garantieren. Es sei nicht mehr weit bis zur Schranke.

Ich trat in die Pedalen. Natürlich standen da schon drei Autos vor der Schranke und ich überlegte mir eine plausible Geschichte auf Französisch. Doch der Lastwagenfahrer grinste mich nur an, öffnete mir die Schranke und meinte: Bon Courage!

Courage brauchte ich wirklich noch. Orientierung = Null. Keine Anhaltspunkte, wohin der Weg ging. Nur weit entfernt eine Schnellstrasse oder Autobahn.

Ich freute mich schon, als mich Google weg von dem Industriegebiet auf Schotter führte. Kontrollierte noch mit dem zweiten App. In meiner Vorstellung kurvte ich ja eigentlich gemütlich über Nebenstrassen durch die Camargue. Aber Schotter ging auch, hauptsache kein Industrie-Sperrgebiet mehr!

Dass ich ein Gartentor öffnen und schliessen musste, irritierte mich nicht weiter. Zumal ich noch einen Fischer am Wegrand traf, der in aller Ruhe angelte. Weiter vorne Stand dann leider eine Stierherde. Nicht mal mehr Fischern ist zu trauen! (Oder er weiss besser über die Viecher Bescheid, als ich)

Als sie mich sahen, baute sich der Oberstier vorne drohend auf. Dann rannte er weg, alle hintendrein, nur um sich nachher vor dem Tor zu postieren.

Ich überlegte fieberhaft, was zu tun sei. Keine hastigen Bewegungen, nicht in die Augen schauen. Aber ich MUSSTE da durch. Ich hatte ja keine Ahnung, wohin sonst…

Neben der Wiese war ein ausgetrockneter Bach und oben ein kleiner Pfad. Da es immerhin keine Wildtiere waren, rechnete ich mir aus, dass das Bachbett vielleicht eine natürliche Grenze für sie darstellte. Sonst war der Zaun im Schilf von dort oben auch nicht mehr weit.

Jedesmal wenn die Stiere eine Runde drehten, um sich erneut vor dem Tor aufzubauen, pirschte ich mich ein paar Meter vor.

Der Oberstier merkte es nach dem dritten Mal und blieb stehen. Im Kopf hatte ich schon die Blick-Schlagzeile: Verrückte Lehrerin auf Selbstfindungstripp von Stierherde aufgespiesst.

Herr Oberstier baute sich auf. Ich blieb brav stehen. Kopf etwas gesenkt, unterwürfig. Das ging gefühlt eine halbe Stunde so. Vielleicht auch nur zehn Minuten, jedenfalls ewig. Den anderen Stieren wurde es schon langweilig, sie begannen zu grasen. Nur der Oberstier behielt mich im Blick und scharrte mit dem linken Vorderhuf.

Irgendwann wurde es mir zu blöd. Er oder ich, jemand muss sich nun mal zuerst bewegen. Ich trat langsam zwei Schritte vor. Da machte der Oberstier kehrt und die ganze Herde haute ab. Und zwar ziemlich weit weg ab.

Ich kämpfte mich hastig zum Tor vor. Immer mit Seitenblick, ob die Herde zurück kommt. Kein Gartentor wie zuvor, sondern massiv, wie mit Autobahnleitplanken verstärkt. Ich schob mein Gepäck unten durch, kroch nach und zerrte mein Bike durch. 😅

Fazit: nervlich am Ende, Beine zerkratzt, genug Abenteuer! Irgendwie schien mir heute eine Abschrankung und ein Schutztor entgangen zu sein… 🙈

Und dann war ich sehr schnell unterwegs

Sonst scheuchte ich noch 20 Kaninchen auf. Und als ein Güterzug an mir vorbei fuhr, zog ich kurz in Erwägung, aufzuspringen und mich mitnehmen zu lassen.

stierfrei

Völlig k.o. wartete ich bei Bac de Bacarin auf die Fähre und lernte Simon&Simon kennen.

Die mit mir – ohne es zu wissen – auf den Tag anstiessen, als ich zwei Jahre zuvor meine letzte Chemo kriegte.

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Tag 12 (zum Glück liest Mutter nicht mit)

Zur Beruhigung, alle leben noch. Die Wachfrau, die Stierherde und ich auch. Wir alle leben noch.

Aber zuerst zum Sonnenaufgang.

Ankunft in Marseille 06:45

Nach einer fantastischen Nacht auf den Fährpolstern kurvte ich zwischen den Autos von Bord und verliess nach gefühlten fünf langen Kilometern das Hafenareal. Leider in die falsche Richtung.

Wenn ich Genua schon verwirrend fand, so war Marseille 🤯🤯🤯. Ich kurvte durchs:

Nirgendwo

Vorbei an einer Art Flohmarkt, den ich in dieser Art noch nie gesehen habe. Mehr Abfallhäufchen, als Warenauslage, Marokkaner, Obdachlose, der Boden voller Scherben. Von dieser Art sichtbarer Armut bleibt man in der Schweiz schon verschont.

Und ich auf meinem Rad dazwischen den Weg suchend, alle sehr höflich, mir Platz machend.

Irgendwann waren es nicht mehr nur Autobrücken und Hochhäuser, sondern heruntergekommene Strassen, Abfall und jede Menge Elektroscooter am Boden. Männer in Kaffees und dann sah ich das:

Und folgte den Tauben

Zum vieux port. Wieder mal jubilierend vor Freude fuhr ich den ganzen Hafen ab.

Eigentlich sollte man im Sommer nur bis 9:00 Uhr in touristischen Städten unterwegs sein, bevor sie menschengeflutet werden.

Machte Sefies.

Coucou, c’est moi! 🙂

Und suchte mir natürlich den nächsten Aussichtspunkt: Basilique Notre Dame de la Garde. Meine Güte, was für eine Steigung! 🙈

Bei der Abfahrt verlor ich nach einem Schlagloch eine Satteltasche. Aber auch hier, alle sehr hilfsbereit. Eine Mutter versuchte verzweifelt den Buggy mit Kind neigungssicher zu parkieren, um mir zu Helfen. Ein Mann kam angehechtet und der Bus hinter mir überfuhr mein Gepäck nicht. Ich war schneller. 🙂

Nun verstand ich die Sicherheitshinweise beim Parkplatz erst richtig: Man solle nichts im Auto lassen.

Nach einem Videoberatungstelefon mit meiner Schwester, entschied ich mich, nach Westen zu fahren. Und brauchte nur etwa wieder 1,5 h bis ich einigermassen as Marseille draussen war. Und dann plötzlich war ich richtig draussen.

Danke Navi 😡 Da bin ich hoch.
Quasi Wüste
😱😱 Autofahren scheint hier echt gefährlich zu sein!
Chapelle Notre Dame de la Galline
Runter

Nach der Abfahrt lohtste mich mein reaktiviertes Navi wieder auf einen Privatweg. Rauf, Schotter. Keine Lust.

Ich nahm Google. Google weiss alles, auch meinen Weg. Der führte zwar fortan über Schnellstrassen, aber die waren alle schön breit und wenn man die Regeln beachtet, kein Problem.

1. Falls keine Radspur vorhanden, schön einen Meter Abstand vom Strassenrand halten, damit die Autos nicht einfach supernah überholen können, sondern auf eine Lücke im Gegenverkehr warten und ausschwenken müssen.

2. Klingt es nach Superschwertransporter oder Wohnmobil, lieber im Gras kurz warten. Erstere sind öfter übermüdet und gestresst, letztere sich des Ausmasses ihres Gefährts nicht immer bewusst.

Ich fuhr also durch klassisches Vorstadtgebiet mit 77 Kreiseln, 4 Mc Donalds und Geschäften. Bis nach:

Martigues
Am Etang
Ich hätte hier bleiben können. Denn es wäre schön gewesen.

Hätte, hätte, Fahrradkette.

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Tag 11 (Kampf mit Technik)

Mein Plan war zurück nach L’île Rousse und dort die Fähre zu nehmen. Je nach Wochentag fahren die andere Häfen an. Und da ich nicht abends um 22:00 Uhr in Toulon landen wollte, kaufte ich mir ein Ticket für die Nachtfähre nach Marseille.

Aber erstmal verabschieden und einen Kaffee in Calvi.

Hier nochmal die beeindruckende Citadelle

Dann – wie könnte es anders sein – die erste Steigung.

Trink-Pause

Und da mir das kleine Städtchen vor meiner Küstentour so gut gefallen hatte, legte ich dort am Strand nochmal einen Stopp zum Baden ein.

Algajola

Ich hatte ja genügend Zeit. Die Fähre fuhr erst um 19:00 Uhr und es waren nur 25 km. Also dachte ich, ich tingle von Strand zu Strand um komme dann rechtzeitig und tiefenentspannt zur Abfahrt der Fähre.

Die nach Toulon lag lange nach ihrer geplanten Abfahrtszeit immer noch am Hafen.

Offenbar war im Zentrum ein Lastwagen umgekippt. Gesehen hatte ich es nicht, da ich mich mit dem Rad durch den Stau schlängeln konnte. Nur Chaos und Polizei hatte ich gesehen.

Hier checkte ich mein Ticket

Als ich kontrollieren wollte, ob die Anpassung meines Tickets geklappt hatte (Rad vergessen anzugeben), stellte ich fest, dass ich kein Netz mehr habe.

Eigentlich hatte ich für schweineteuer unlimitiertes Roaming erstanden. Schliesslich plante ich alles per Handy. Es zickte schon vorher, aber diesmal nutzte nix: abstellen, anstellen. Nicht mal einen anderen Anbieter konnte ich auswählen. Nix. Mein Mailaccount tot, also auch Mitteilungen von der Fährgesellschaft würde ich nicht bekommen.

Also suchte ich das Fährbüro, slalomte durch die verspäteten Passagiere nach Toulon. Liess mir mein Ticket ausdrucken, WLAN gabs leider nicht.

Also rief ich meinen Provider an. Kennt ihr die ewigen Wartezeiten? Mir wurde angeboten, eine andere Sprache (mit kürzerer Wartezeit) zu wählen. Also Italienisch. Der Typ riet mir zu allem, was ich schon getan hatte und meinte dann, ich solle auflegen, er werde mich gleich zurückrufen.

Vier Minuten später bekam ich ein SMS: Vier vergebliche Versuche mich zu erreichen von der Nummer des Providers. Mein Handy hatte nicht geklingelt.

Also nochmals anrufen, wurde direkt abgewimmelt.

Ich versuchte mich 10 Minuten runter zu kühlen, diesmal eine Frau, gleiche Geschichte. Sie rufe zurück. Ich hatte keine Hoffnung mehr, suchte mir ein Mehrsternhotel, klagte mein Leid und bat darum, kurz das WLAN nutzen zu dürfen. Ich informierte Fe und meine Schwester, dass nur mein Handy, nicht ich tot sei.

Und oh Wunder! Konnte plötzlich den Netzanbieter wechseln. Und bis jetzt blieb das auch so. 🤞🏻

Strand hatte sich erledigt. Ich genug geschwitzt für den Tag. Ausserdem wurde der Wind so stark, dass es beinahe schwierig war, auf dem Rad die Balance zu halten.

Also löste ich erst ein Versprechen ein.

Minz-Sirup

Und ging dann zu Fuss hoch zum Leuchtturm. Schön darauf achtend, dass mir das Handy nicht weggeweht wurde. 🌬

Hört ihr denWind? Dass das Bild so zittert, liegt an den Böen.

Das einchecken auf die Fähre lief easy. Am Info-Deck stand ein bärtiger Mannund entschuldigte sich achselzuckend, dass er mein Gepäck kontrollieren müsse. Welche Tasche er nehmen solle. Das war mir egal, ich öffnete eine der Taschen. Er linste halb rein: Gut. Kontrolliert! Welche Kabinennummer?

Ich: Ich habe keine Kabine. Wo sind die Toiletten?

Er: Dort drüben. Und Duschen gibts auch.

Ich: Echt Duschen? Auch wenn ich keine Kabine…

Er: Dort drüben!

Ich ging duschen und liess mir auf Deck das Haar föhnen.

Eine Familie kam mit ihrem Essen in Papiertüten an Deck. Die Frau rechts von mir konnte gerade noch sagen: Mais ils sont courageux!

Da flog auch schon der erste Hamburger quer übers Deck. Konnte von Sohnemann noch eingefangen werden und die Familie trat den Rückzug ins Innere an.

Ich konnte auch unmöglich an Deck schlafen. Selbst der Käptn sprach von unruhiger See. Ich suchte mir eine gemütliche Sitzgruppe.

Hörte den Sprachverhasplungen des Käptns zu. Worauf eine Französin laut losprustete. Offenbar sind die Durchsagen im Winter nur auf Französisch. Er muss wohl noch etwas üben.

Guetnacht-Gschichtli

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Tag 10 (gefunden und entschwunden)

Miese Nacht, trotzdem bin ich wach. Ist immer so beim draussen schlafen.

Wir brachen früh die Zelte ab. Will heissen, ich stopfte meine Hängematte in meinen Kompressionssack, er rollte sein Tuch zusammen. Unverständlicherweise schläft er auf dem Boden. Unser Gepäck ist in etwa gleich schwer. Nur habe ich praktisch alles dabei und er, drei Bücher und ein Kartonmesser. 🤔

Aber ich sag nix. Denn Öl für die Kette hatte er auch und so wurde mein Bike aufgefrischt und sein Handy bekam dafür Saft von meinem Solarpanel.

Vor Sonnenaufgang schon alles aufegräumt

Mein Compagnero spricht davon, wohin wir jetzt gehen würden, was wir machen könnten. Und ich denke mir so, hm – wir? Ich weiss, dass so herumzigeunernde Jungs immer leuchtende Augen bekommen, wenn sie mich treffen. Seltene Spezies bin ich als Frau so unterwegs. Schon in Genova erlosch so ein leuchtendes Augenpaar grad wieder, als ich sagte, ich werde am gleichen Abend die Fähre nehmen.

Kurz: Ich war recht zwiegespalten. Als ich bei einem Aussichtspunkt ein Foto schoss, schoss er davon. Ich konnte ihn nicht mehr einholen. Die nächste Steigung nahm ich noch die Hälfte, sah ihn aber nicht mehr. Und bergauf war eigentlich ich immer schneller.

Vielleicht war er der Küste entlang? Oder einen Kaffee trinken gegangen? Unser Fernziel war das Sportgeschäft in Calvi. Er brauchte einen neuen Sattel.

Und meine Schuhe zersetzten sich

Ich fuhr zurück und wählte den Weg über die Küste.

Und dann freute ich mich wieder ungemein, alleine unterwegs zu sein.

Ich wählte einen Weg, der nur mit Mountainbike geht und mich an wunderschöne Plätzchen führte.

Also falls sich jemand fragt, warum ich mit dem Mountainbike verreise: Darum!

Nun ja, ich habe auch kein anderes…
Immer mal wieder das Bike drüber stossen…
Einsame Küste
Badestellen
Klares Wasser
Happy me nach einem 9-Uhr-Bad

Als ich nach Calvi reinfuhr, schrie es von der anderen Strassenseite von einer Parkbank: Ahí! Ciao! Finalmente ti ho ritrovato!!!

Er hatte sich offenbar Sorgen gemacht. Ist auch ins Küstenstädtchen gefahren und hat dann aber die Strasse genommen. Also waren wir wieder zu zweit.

Es ist extrem, wie anders die Leute reagieren, wenn man als Paar oder alleine unterwegs ist. Alleine werde ich natürlich viel mehr angesprochen. Bin ich eine Ausnahme. Zu zweit bin ich ein Anhängsel. Primäre Ansprechsperson ist der Mann und vielleicht geht man davon aus, dass ich einfach mitgeschleift wurde?

Ich glaube Männer, die im Paar unterwegs sind, werden grundsätzlich freundlicher behandelt und Frauen werden unsichtbar.

Calvi ist ziemlich touristisch. Und extrem windig war es auch.

Siehe Fahnen
Die Bucht von Calvi: Strand ohne Ende
Hier noch etwas baden

Ich eröffnete meinem Compagnero dann, dass ich nicht bis nach Ajaccio und zu den Tartarughe kommen werde, weil ich es ruhiger angehen möchte. Und weil – nichts gegen ihn – mir meine zwei Wochen alleinsein extrem wichtig sind. Ich bin sonst nie allein.

Er war etwas geknickt, aber verständnisvoll. Und etwas klebrig. Entgegen seines Budges kam er mit auf den Campingplatz.

Und doch war ich am nächsten morgen etwas traurig, als wir uns trennten. So ist das halt mit Reisebekanntschaften. 🤷‍♀️

PS: Für mein Französisch war mein Compagnero eine Katastrophe. Italienisch kommt mir eh viel leichter über die Lippen. Es war schon schwer, sich von Italien her umzugewöhnen. Aber dann den ganzen Tag Italienisch sprechen und auf Französisch Einkaufen und Bestellen??? 🤯

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Tag 9 (compagnero)

Ich war wieder fit. Und auf zu neuen Schandtaten. Die Strasse führte weg von der Küste – also hoch. Und zwar durch die Wüste Le Désert des Agriate.

Schicke 32° morgens um 9:00 Uhr

Aber erst ging es nach Saint Florent zum Kaffee trinken und kurz die Citadelle umrunden.

Man bemerke das hübsche Bike 🥰🥰🥰

Dann kurz runter von der Citadelle, damit es dann wieder rauf gehen konnte. Es geht in Korsika ja nie geradeaus, immer nur hoch und runter.

Und manchmal auch ziemlich hoch
Kurz Hallo sagen
Etwas Kultur zwischendurch. Den Tequila des Museumsmeisters lehnte ich dankend ab. Auch wenn er seines Zeichens Tequilameister sei.
Und nach der Pause weiter

Einmal stand am Strassenrand ein älterer Herr mit weissem Haar. Ich fragte mich, ob er eine Autopanne habe. Aber er schüttelte nur den Kopf und sagte: Ma pauvre, ma pauvre, courage!

Ich dachte, ich bin doch glaub etwas fitter als er, warum bedauert er mich? 🤨 Ausserdem gings tendenziell wieder Richtung Meereslevel.

Im Nirgendwo

Traf ich einen Veloreisenden. Sein Sattel war kaputt, gespalten… 😱😱😱 Aber er sprach noch mit normaler Stimmlage. Italienisch.

Also machten wir uns zu zweit weiter auf den Weg.

Zum Meer
Und Baden!!!

Wir vertrödelten sehr lange am Strand und waren dann total k.o., als wir in Ille Rousse ankamen.

Die Stadt war uns beiden zu heiss, zu laut und wir total ausgehungert.

Wir picknickten auf einer Treppe und inzwischen war ich so müde, ich hätte mich auf einer Stufe zusammenfalten und einschlafen können.

Da er wild campte, suchten wir uns einen Schlafplatz. Und mich irritierten zum ersten Mal, dass ich KEINE Tiere hörte in der Nacht. Nur zwei streitende Katzen. Sonst nix.

Aussicht

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Tag 8 (Motorrevision)

Mein Motor Marke gluteus maximuss musste nach 51,5 km und 1395 Höhenmetern in Revision.

Wanderung nicht eingerechnet

Ich döste in meiner Matte rum, bis ich irgendwann dachte, was zu Essen kaufen, wär noch was.

Dös-Platz bei Tag

Und was soll ich sagen, biken ohne Gepäck ist schon easy, da nimmt man die 300 Höhenmeter im Flug.

Virgin-Mojito im Surfer-Sport wo alle cool und freakig sind.
Bye bye Camping a Stella

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Tag 7 (Höhenmeterrekord)

Spoiler: Es geht in Korsika nie nur runter.

Zu Beginn schon

Die Küstenstrasse ist spektakulär!

Hinter jeder Kurve erwartete ich James Bond auf Verfolgungsjagd
Wasser bissl weit weg
Aber Aussicht grandios
Philo to go (sponsored by coca-cola)
Felsengucken anstatt Wolkengucken
Siesta-Time
Achtung, nicht sein Rad an den Zaun lehnen, um ein Foto zu machen (Strom)
Achtung: museumsreif
Grauer Strand 🤔

Und immer so weiter. Irgendwann habe ich einen Zeltplatz gefunden. Und ich war so müde, dass ich mich wiedermal nur in Zeitlupe bewegen konnte. Nix Zelt. Hängematte reichte.

Spektakulär! 🥱

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